Technologien

Wir investieren in bahnbrechende Technologien und Plattformen, um unsere Pipeline voranzubringen und neue Therapien zur Verfügung zu stellen.

Hochsaison für Innovation und Fortschritt

Für die Humanbiologie brachten die letzten beiden Jahrzehnte große Fortschritte mit sich: Meilensteine in der Humangenetik, der Krebsgenomik, der Stammzellbiologie, der Bioinformatik und der Systembiologie ebneten den Weg zu neuen Therapien. Heute können wir davon ausgehen, dass diese Entwicklung auch zukünftig neue Ziele in greifbare Nähe bringen wird – nicht nur in der Medizinchemie, sondern auch in Bezug auf Protein-Engineering, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, bispezifische Antikörper und Immuntherapien.

Proteinbasierte Technologien

Proteinbasierte Technologien können dazu genutzt werden, das therapeutische Potential von Antikörpern zu verbessern. Eine Möglichkeit ist die Kombination (auch Konjugation genannt) eines Antikörpers mit niedermolekularen Arzneimitteln.

Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung einer Technologie, mit der bispezifische Antikörper zum Targeting von zwei Antigenen hergestellt werden (auch Dual-Variable-Domain [DVD]-Antikörper genannt).

Bispezifische Antikörper

Unsere bispezifische Plattform ist eine vielversprechende Technologie, mit deren Hilfe verschiedene bispezifische Formate produziert werden können, beispielsweise doppelt-spezifische Antikörper (DVD). Diese Formate verfügen über ein breites Spektrum an proteinbindenden und biologischen Merkmalen.

In der Onkologie unterstützt uns die bispezifische Plattform dabei, völlig neue Wege zu betreten. Beispielsweise prüfen wir den Einsatz von bispezifischen Antikörpern zur Verbesserung der Wirksamkeit von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (antibody-drug-conjugates, ADC). In präklinischen Studien konnten wir nachweisen, dass ein bispezifischer Antikörper, der an zwei Strukturen desselben molekularen Ziels bindet, von den Krebszellen besser aufgenommen wird als ein herkömmliches ADC. Auf diesem Weg kann eine größere Menge Toxin freigesetzt wird, wodurch die Wirksamkeit des Arzneimittels verbessert wird.

Auf ähnliche Art und Weise kann ein bispezifischer Antikörper, der an zwei molekulare Ziele derselben Krebszelle bindet, zur Steigerung der Tumorspezifität verwendet werden. Das bedeutet, dass auch Zielstrukturen genutzt werden können, die sich nicht in gesundem Gewebe finden. Mit unserer bispezifischen Plattform können wir ein breites Spektrum an Proteinkonstrukten schaffen, die letztendlich zu einer neuen Biologie mit verschiedenen Wirkmechanismen führen.

Innovative, zielgerichtete Wirkstofffreisetzung

Wir untersuchen eine Reihe neuer Methoden zur Freisetzung von präziseren und wirksameren Arzneimitteln. Dabei zielen wir darauf ab, die Behandlung von Erkrankungen grundlegend zu verändern – etwa indem wir die Auswirkung einer Chemotherapie auf gesunde Zellen reduzieren oder neue Behandlungsmöglichkeiten für neurodegenerative Erkrankungen erschließen.

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC)

Bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC) handelt es sich um eine bewährte Technologieplattform, die ein Therapeutikum durch präzises Targeting eines Antikörpers direkt dort im Körper freisetzt, wo es gebraucht wird.

Ein ADC besteht aus einem hoch wirksamen Giftstoff, der zu potent ist, um systemisch verabreicht zu werden. Er wird mit einem monoklonalen Antikörper gekoppelt, der das Target auf der Zelloberfläche zielgerichtet identifiziert und aktiv von der Zelle aufgenommen wird. Innerhalb der Zelle wird dann die chemische Substanz freigesetzt, die dann die Tumorzelle schädigt oder sogar abtötet, während das gesunde Gewebe verschont bleibt.  Die Idee hinter ADC ist nicht neu, aber es ist erst in jüngerer Vergangenheit gelungen, sie im Rahmen einer vielversprechenden Plattform umzusetzen.

Unser Fokus im Bereich ADC stützt sich auf unsere Expertise bei der Entdeckung und Entwicklung von hoch spezifischen monoklonalen Antikörpern und unsere Erfahrung im Bereich der niedermolekularen Chemie und Analytik.

Targeting von Krebsstammzellen

Krebsstammzellen sind die Wurzeln eines Tumors. Sie leiten das Tumorwachstum ein, setzen es fort und sind weitestgehend resistent gegenüber Chemo- und Strahlentherapien. Krebsstammzellen sind die Tumorzellen, die Metastasen bilden und dazu führen, dass sich der Krebs im Körper ausbreitet.

Unsere Therapien in der Onkologie zielen auf diese Krebsstammzellen ab, um hier ein wirkstarkes Arzneimittel freizusetzen, das sie töten kann. Wir glauben, dass das gezielte Targeting und die Eliminierung von Krebsstammzellen Patienten ermöglicht, auch langfristig mit Krebs leben zu können.

Hier gibt’s weitere Informationen zur Forschung im Bereich Onkologie.

Nanopartikel und Proteinkapseln

Das komplexe und aufwändige Zellsystem, das Blut zum Gehirn und zum Wirbelsäulengewebe transportiert, ist mit großen Molekülen (Biologika) nur schwer zu durchdringen. Deshalb suchen wir nach neuen Wegen, um die Blut-Hirn-Schranke mit Nanopartikeln und Proteinkapseln zu überwinden. In innovativen Trägersystemen wie diesen steckt das Potenzial, die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln zur Behandlung von z.B. Alzheimer, Morbus Parkinson und Multipler Sklerose deutlich voranzubringen.

Die Kraft des Körpers nutzen

Je besser wir den menschlichen Körper verstehen, desto besser können wir ihn uns bei der Bekämpfung von Erkrankungen zunutze machen. Krebs und immunvermittelte Erkrankungen sind nur zwei Bereiche, in denen moderne Forschung zeigt: Neue Lösungen können auch aus dem Inneren des Körpers kommen.

Immunonkologie und Immuntherapien

Völlig gegensätzliche Herausforderungen begegnen uns in der Immunonkologie und in der Immunologie, wenn es um das Immunsystem des Körpers geht. Während wir das Immunsystem in der Onkologie unterstützen wollen, damit es Tumoren angreift, muss es bei immunologischen Erkrankungen gedrosselt werden, weil es fälschlicherweise Schäden in gesundem Gewebe verursacht. Der Schlüssel zur Behandlung beider Erkrankungsarten könnte in einer Immuntherapie liegen.

Wenn Tumoren an sogenannte Checkpoint-Moleküle auf Immunzellen binden, so schalten sie genau die Immunantwort aus, mit der eine Immunzelle normalerweise ein als „fremd“ erkanntes Element im Körper angreift. Die Folge: Die Immunzelle kann den Tumor nicht länger als etwas identifizieren, das sie angreifen muss. Hier gelang in den vergangenen Jahren der größte Durchbruch in der Immuntherapie – mit der Entdeckung, dass eine gezielte Störung dieser Checkpoint-Rezeptoren die Immunzellen aktivieren und zu einer Anti-Tumor-Reaktion führen kann.

Die Anti-Tumor-Aktivität von Checkpoint-Molekülen zeigt, dass Tumoren vom Immunsystem durchaus kontrolliert werden können. Deshalb untersuchen wir seit Jahren neben diesem Ansatz auch weitere Möglichkeiten der Immuntherapie.

Erkenntnisse zum Darmmikrobiom

Die Bakterien und Mikroorganismen im Magen-Darm-Trakt übernehmen im Körper entscheidende Funktionen wie die Verdauung und die Vitaminproduktion. Die Möglichkeit, Bakterien einfach umzuprogrammieren, damit sie andere Funktionen übernehmen, hat den Blickwinkel auf die Bekämpfung von Erkrankungen grundlegend verändert. In einer Kooperation untersuchen wir das Darmmikrobiom, um neue Arzneimittel zur Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen zu entwickeln.

Die Produktion als Wissenschaft für sich

Damit unsere Arzneimittel wirken können, müssen wir in der Lage sein, sie bereitzustellen. Deshalb suchen wir kontinuierlich nach neuen Wegen, um unsere modernen Therapien sicher und in höchster Qualität herzustellen und für Patienten verfügbar zu machen.

Biologische Therapien

Biologika (auch BioPharmazeutika oder engl. Biologics) werden biotechnologisch hergestellt und in lebenden Zellen produziert, was die Herstellung sehr aufwändig macht. Eine besondere Art von Biologika sind die sogenannten monoklonalen Antikörper, die gezielt in die Entzündungsprozesse des Körpers eingreifen. Sie haben das Leben vieler Patienten entscheidend verbessert.

Bei der Herstellung biologischer Therapien wird Erfolg vor allem anhand der Reproduzierbarkeit des Produkts gemessen. Durch die komplexen Prozesse bei der Entwicklung von Zelllinien, Zellkultur-Herstellung und Qualitätskontrollen gehen wir sicher, dass monoklonale Antikörper ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Unsere Erfahrung mit Biologika? Wir haben den ersten vollständig humanen monoklonalen Antikörper entwickelt. Auch heute ist unser Team branchenführend in der Biologikaherstellung und leistet wissenschaftliche Unterstützung in allen Bereichen der Produktion.

Meltrex-Technologie – eine innovative Arzneimittelformulierung

Durch das Meltrex®-Produktionsverfahren lassen sich auch aus schwer löslichen Wirkstoffen Tabletten und weitere orale Darreichungsformen herstellen. Als „schwer lösliche Wirkstoffe“ werden Moleküle bezeichnet, die ohne spezielle Formulierungstechnologien nicht vom Magen-Darm-Trakt in das Blut und damit an ihren Bestimmungsort gelangen können. 

Hergestellt werden diese Medikamente in meterlangen Extruder-Linien, die technisch sehr komplex sind und mehrere Prozesse in sich vereinen: Die Bestandteile werden aufgeschmolzen, gemischt, geknetet, entgast, homogenisiert, zu Extrudatlinsen geformt und abgekühlt. Anschließend werden diese Linsen zermahlen, mit Zusatzstoffen vermischt und zu Tabletten verpresst. So hergestellte Arzneimittel sind in einigen Fällen besonders temperaturstabil und können ungekühlt gelagert werden.